Gedichte

Transit

Sich fügen

dem Strom

die Treppen

hinab

Stufe für Stufe für Stufe

hinab und hinauf

herum und herbei

ins Rauschen der Schritte

den meinen

hinein

zu geben

was wäre zu sagen

nicht nur dahin

die Zunge hinab

geht mir das Wort

Der Strom, er fließt

trägt fort was war

was ist

was kommt

Poesie am Nebentisch

Wenn du tausend davon hast,

ja dann,

aber wir werden das 

nicht ändern können,

ja, mit welcher Begründung

trotzdem,

das stimmt,

aber manchmal,

was bleibt denn dann.

Darüber hinaus

Dein Körper neben mir

vertraut

wie der Kirschbaum einer Kindheit

die Schatten spielen

zwischen deinen Zweigen

verstecken

wo bist du

raunt mir das Licht

aus dem Türspalt zu

wo bist du

verborgen

zwischen seinen Zweigen

oder haben dich

die Vögel schon gepflückt und

fortgetragen

hinein in die Narben

der Raufasertapete

nein flüstert meine Stimme

in die Astgabel hinein

sogar noch

darüber hinaus

Der Flug

Horch!
Der Flügelschlag deines Herzens!

Es scharrt
an den knöchernen Toren
der Brust,
bricht und reißt
die Rippen entzwei.

Sie glaubten,
es halten zu können,
mit dem Versprechen
von Sommerkirschen
und einem Sonnenstrahl.

Schau!
Ein letzter Fetzen Haut
flattert fort
mit dem Staub.
Die Wimpern verklebt
von Mark und von Fleisch.
Weine nicht, mein Kind.

Sieh!
Wie es fliegt!
Vom Sturm umarmt,
eine Möwe im Spiel.

Dein Blut, es wird trocknen.
Weine nicht, mein Kind!
Wer braucht denn Rippen,
wenn er ein Herz hat,
das fliegt.

Buchenwald

Es war einmal und ist noch immer

ein leeres Zimmer inmitten

aller Sätze und Worte

im Herzen von Allem

von Tumult und Radau

durchtrieben von Pflöcken

aus Eis und aus Stahl

gefesselt vom Gas, gefesselt vom Rauch

ist das was war noch immer.

Für alle Zeiten verweilt

die Stunde des letzten Moments.

Wer kann sie tragen,

wer hebt sie über sein Haupt.

So schweigt sie und schreibt

am dunklen See der Wortlosigkeit

die Streifen des Kleids

uns unter die Haut.

Die Finger schwarz wie faules Holz,

die Knochen weiß wie Schnee,

das Blut es ist längst geronnen.

Und selbst der Eichelhäher,

er fliegt stumm. Was soll er rufen.

Der Tod, er bleibt so wie die Schuld

wer mehr Gedichte lesen möchte: hi@sarah-raich.com

 

Alle Texte und Bilder auf dieser Seite sind von Sarah Raich, Ausnahmen werden benannt.